Michaela Faber • 21. August 2026

Was du wirklich von deinen Ahnen geerbt hast.

Du trägst nicht nur ihre Augen und ihre Haarfarbe, du trägst auch ihre Angst.


Transgenerationales Trauma ist kein Mythos, sondern messbare Realität. Die Forschung zeigt es: Kinder von Überlebenden des Holocaust zeigen nicht nur veränderte Stresshormone sondern auch psychische und physische Folgen, ohne das Trauma selbst erlebt zu haben. Nicht Erinnerung wird weitergegeben, sondern Biologie.


In diesem Beitrag geht es nicht um Trost sondern darum zu verstehen:  Wie genau wandert ein Trauma durch Generationen? Warum gibt es keinen Cut, keinen Reset-Knopf, kein „das betrifft mich nicht mehr"? Und wo hat das alles seinen Ursprung? Wo war das erste Trauma, dass uns Menschen bis heute beeinflusst?


Mein Großvater war überzeugter Nazi. Das zumindest hat meine Mutter über ihn behauptet. Welche Rolle er genau in dem System gehabt hatte, das wusste sie nicht, außer, dass er in Polen einmarschiert war. 


Meine Mutter hat trotzdem oder vielleicht gerade deshalb, einen Polen geheiratet. Zwei Systeme, die aufeinanderprallten, jeden Tag, am Küchentisch, im Wohnzimmer vor uns Kindern. Neben den Traumata, die dadurch an mich und meinen Bruder weiter gereicht wurden, tragen wir beide Ahnenreihen in uns. Das ist nicht einfach nur Metapher sondern ein echtes Gewicht das wir tragen.


Aber das hier ist keine Geschichtsstunde sondern es ist der Grund warum ich auf vielen Ebenen immer wieder blockiert war und es könnte der Grund sein, warum es dir ähnlich geht. 


Was transgenerationale Traumata wirklich sind


Vielleicht hattest du eine gute Kindheit und trotzdem kommst du an bestimmten Stellen nicht weiter, ziehst immer wieder die falschen Partner an, kommst im Beruf nicht weiter, hast immer wieder Geldprobleme oder bist gesundheitlich dauerhaft angeschlagen. Du schaust und suchst aber irgendwie klemmt es.


Das verrückte ist machmal liegt die Erklärung eben nicht in deiner Biografie sondern sie liegt zwei, drei Generationen oder sogar mehr Generationen zurück. Sie liegt in dem, worüber in deiner Familie nie gesprochen wurde oder dem was jemand in deinem System für sich behalten hat.


Genau dort, wo geschwiegen wird, sitzt das Trauma am festesten. Nicht dort, wo offen darüber gesprochen wurde, was der Großvater getan hat oder was deine Großmutter erlebt hat. Sondern dort, wo Scham, Angst oder Trauer das Thema verriegelt hat.


Meine Großmutter Gerda ist mit meiner Tante aus Danzig geflohen. Sie hat darüber nie gesprochen. Kein einziges Wort. Stattdessen Alkohol und Tabletten, damit sie schlafen konnte. Sie starb mit 68 Jahren an einem Herzinfarkt. Ihre älteste Tochter, meine Tante Renate, bekam Jahrzehnte später, nach dem Tod ihres Mannes, plötzlich Albträume. Der Mann war ihr Puffer gewesen. Als er starb, kam zurück, was mit zehn Jahren auf der Flucht nie verarbeitet wurde. Meine eigene Mutter starb mit 66 Jahren sehr plötzlich an einem Hirntumor. Die Frauen in meiner weiblichen Ahnenreihe sterben seit vielen Generationen recht jung. Das ist alles kein Zufall, es sind Hinweise.


Nicht das Erlebte selbst wird vererbt sondern das Ungesagte, die verheimlichten Taten, das was nicht erzählt werden durfte und somit nie aufgearbeitet werden konnte.


Der derzeitige Ahnenforschungs-Boom ist kein Zufall


Momentan graben Enkel und Urenkel in Archiven. Der Spiegel hat seine NSDAP-Mitgliedsdatenbanken zugänglich gemacht. Man tippt das Geburtsdatum des Großvaters ein und findet: Uns siehe da, Eintritt 1932, während die Familienlegende lautete, er sei im Widerstand gewesen.


Wir leben in einer Zeit, in der wir hinschauen wollen. Wir sind uns bewusst, dass uns etwas vorenthalten wurde. Das die Wahrheit wichtig ist, denn viele von uns spüre, dass wir darüber reden müssen. Wir müssen uns dem, was unsere Ahnen nicht lösen konnten, stellen denn wir tragen schwer daran. 


Aber was tun mit dieser Information?


Warum reden allein nicht reicht


Manche Familien haben offen gesprochen. Meine Mutter hat ihrem Vater seine Vergangenheit vorgehalten, hat sie scharf verurteilt, ihr Leben lang. Auch das ist eine Last, nur eben eine andere, denn Verurteilen ist noch keine Lösung. Es ist eine Fortsetzung des Kampfes, nur im eigenen Familiensystem. So wenden sich Familienmitglieder gegen einander, entwickeln psychische Probleme, körperliche Leiden, greifen sich gegenseitig an. 

Aber die eigentliche Arbeit beginnt woanders: nämlich bei der Frage, was dir gehört und was nicht.


Die Aufstellungsarbeit: Loslassen, was nicht deins ist


In meiner Praxis als Familienaufstellerin sehe ich das immer wieder: Menschen tragen Schuld, Scham, Angst, Schock, die nie ihre eigene war. Sie haben sie übernommen, unbewusst und ungefragt, aus Zugehörigkeit zu einer Ahnenreihe, die selbst nie den Mut hatte, hinzuschauen.


Meine Mutter hat Dinge durchlebt, die meiner Großmutter Wiederfahren sind und hatte selber nicht die Kraft und den Mut hinzuschauen. Und so habe ich es weiter gereicht bekommen. Für mich eine Einladung genau hinzuschauen, Lösungen zu finden und meine Ahnen zu ehren.  Es braucht immer einen oder eine die den Zirkel durchbricht. Und es sind immer die, die mit dem Status Quo nicht leben können.  


Eine Übung, die ich selber immer wieder mache ist einfach und sehr wirksam. Ich stelle mir vor, wie ich mit meinen Ahnen an einem Feuer sitze. Es sind alle da, meine männliche und meine weibliche Ahnenreihe. Ich begrüße sie und stelle mich als ihre Nachfahrin vor. Die, die schwer an ihrem Schicksal trägt. Die, die für Dinge, die sie selber nicht begangen hat steht. Dann bitte ich diejenigen vorzutreten, deren Schicksalsfolgen ich trage. 


Ich gebe zu verstehen, dass ich dies nicht tue, um sie zu verurteilen, sondern weil wir gemeinsam hinschauen wollen. Wir wollen ihr Schicksal verstehen, nicht verurteilen. Ich mache das zusammen mit all meinen Ahnen. 


Ich mache keinen Vorwürfe, erteile keine Absolution sondern setze eine klare Grenze, gezogen mit Respekt für das, was diese Menschen unter den Bedingungen ihrer Zeit getragen haben.

Das Gleiche gilt für Schocks, die im Körper sitzen und nicht deine eigenen sind. Eine übernommene Schreckhaftigkeit bei lauten Geräuschen kann der Bombeneinschlag sein, den deine Großmutter erlebt hat, nicht du.


Der Anfang jeder Ahnenarbeit


Häufig kennen wir nicht einmal die vollständigen Namen unserer Ahnen. Es kann also sein, dass du etwas recherchieren musst. In meinem Fall konnte ich bis heute nicht herausfinden, wie meine Großmutter und Großvater väterlicherseits hießen. Ich kann aber mit meinen Ahnen trotzdem arbeiten. 


Du musst auch nicht wissen, was genau passiert ist, um zu beginnen. Du brauchst nur die Bereitschaft hinzuschauen: Was wurde in meiner Familie nie erzählt? Wo genau blockiere ich und seit wann eigentlich? War die Blockade schon immer da oder fing es irgendwann an?

Diese Fragen sind der Anfang jeder Ahnenarbeit. Die Antworten liegen selten dort, wo du zuerst suchst.


Wenn du tiefer einsteigen willst: Vom 11. bis 13. September biete ich eine Aufstellung genau zu diesem Thema an Blockaden, transgenerationale Traumata, das, was in deiner Familie nie ausgesprochen wurde. Mehr dazu und alle Termine findest du auf https://www.fraufaber.de


Wenn du spirituell inspiriert werden möchte, andere Blickwinkel auf Themen erfahren willst, Antworten die dich erstaunen, dann höre dir meinen Podcast: „Interview mit dem Universum“ an. 


ENDLICH WORTE

von Michaela Faber 30. Juni 2026
Warum du gerade nicht vorwärts kommst und was das Universum dazu sagt