Michaela Faber • 10. Juni 2025
Die Medizin der Schamanin

Kein freundliches Lächeln sondern ernst schaut Maima Carolina, die Curandera aus Columbien mich an. Sie hält mir ein Notizbuch hin und deutet mir an meinen vollen Namen und mein Geburtsdatum aufzuschreiben. Dann fragt sie:"Warum bist du hier?" knapp und bündig. Mt der Frage habe ich nicht gerechnet. Ich muss einen Moment lang überlegen.
Die Intention, die ichTage vorher überlegt hatte, ist wie weggeblasen. Mein Gehirn im Leerlauf. Ich habe das Gefühl, dass die Energie im Raum fast greifbar ist. Ein Teil von mir will aufstehen und wieder gehen. War vielleicht doch eine dumme Idee herzukommen. Doch plötzlich kommen die Worte aus mir heraus.
"Ich komme aus einer langen Ahnenreihe mit vielen psychisch kranken Menschen. Meine Mutter war psychisch nicht gesund, mein Vater auch nicht. Mein Älterer Bruder ist es auch nicht. Ich habe dadurch sehr gelitten und suche Heilung." Ich bin erstaunt über mich selber. So deutlich habe ich diese Wahrheit noch nie ausgesprochen. Ich bin mir nicht mal sicher ob mir das jemals so bewusst war, wie in diesem Moment.
Maima Carolina schaut mich einen Moment an. Es ist als ob sie mein Energiefeld scannt. Dann sagt sie unvermittelt: "Was ist passiert als du 27 warst?". Zu meinem Erstaunen antworte ich wie aus der Pistole geschossen: "Ich bin mit einem Mann zusammen gekommen der auch psychisch nicht gesund und hochgradig toxisch war." Ich breche in Tränen aus während ich ins Detail gehe und mich an all den Schmerz dieser 10 Jahre andauernden Beziehung erinnere. Damit hatte ich gar nicht gerechnet.
Maima Carolina lässt sich dadurch nicht beirren. Gezielt stellt sie weitere Fragen und ich merke wie es immer leichter wird. Die Schwere aus meiner Brust verschwindet, die Tränen versiegen. Schließlich befiehlt sie mir diesen Mann zu entlassen. Ich spreche ihr die Worte nach und merke wie etwas in mir komplett zu Ruhe kommt. Es ist als ob eine nervliche Anspannung, die ich seit fast 28 Jahren mit mir herumgetragen habe einfach verschwindet.
Maima Carolina ist derweil hinter mich getreten, zieht an meinen Haaren und arbeitet mit meinem Körper. Schließlich fragt sie "Und Jetzt wie fühlt es sich an?" "Gut" sage ich, "leichter". Schließlich tritt sie wieder vor mich und reicht mir ein Glas mit einer bräunlichen Flüssigkeit. "Das ist Tabak", sagt sie, "er wird dir helfen deinen Körper zu reinigen". Es geht alles so irre schnell, dass ich nicht weiter nachdenke und trinke das Glas in einem Zug leer. "Das hilft bei der Reinigung", sagt sie. Der Geschmack ist wirklich nicht toll, nasser Tabak.
Dann tritt sie mit einem kleinen Blasrohr vor mich und sagt: "Das ist Rapé, es wird dir bei der Integration helfen". Ich nicke und sie bläst mir ein Gemisch aus feinem Tabakpuler erst in das linke Nasenloch, dann in das rechte. Sofort fangen meine Augen an zu tränen. Es brennt wie Feuer in meinem gesamten Schädel und ich fange an unkontroliert zu sabbern. Ich habe keine Kontrolle über meine Gesichtsnerven. Maima Caroline ist unbeeindruckt und schickt mich mit den Worten hinaus. "Verbinde dich mit der Natur".
Ich schaffe es noch einen Eimer zu greifen, den ich neben mir stehen sehen habe, damit ich auf dem Weg nach draußen nicht alles voll sabbere. Irgendwie schaffe ich es auf die große Wiese vor dem Zeremoniezentrum zu kommen und setze mich schließlich in einer Mischung aus Schock und Erleichterung ins Gras. Mein Kopf versucht das, was da gerade passiert ist irgendwie zu fassen aber es geht nicht. "Das war gerade mal der Anfang der Zeremonie", denke ich und spüre wie ich nervös werde.
Ich bin in diesem Moment sehr froh, dass ich als Therapeutin so langjährige Erfahrung habe, dass ich in der Lage solche Erlebnisse schnell und gezielt zu integrieren. Schamanen sind wirklich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Und man sollte sich auf jedenfall darauf besinnen, sich Menschen in der Hinterhand zu halten, die bei der Integration helfen können.
Denn der Schamanismus und die in ihm verwendete Pflanzenmedizin, ist ursprünglich innerhalb eines Clans, also in einem geschlossenen Sozialsystem angewendet worden. Das bedeutet, dass im sozialen Kontext dieser Tribes, die Pflanzenmedizin und deren Auswirkungen vom gesamten Clan mitgetragen werden. Damit ist man dann also im Nachhinein nicht alleine. Für Europäer sind die Veraussetzungen andere. Das sollte man also unbedingt mit bedenken. Denn diese Form Medizin ist wirklich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Weiter geht es in Teil II.
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"Ich bin erfolgreich. Ich bin wertvoll. Ich kann alles schaffen." ... errm echt jetzt? Du musst dir nur einen Zettel an den Spiegel klemmen und dich mehrmals am Tag so fühlen als ob, währen du dir diese Worte sagt. Kommt dir bekannt vor? Millionen von Menschen stehen morgens vor dem Spiegel und sprechen sich ihre Affirmationen vor. Sie kaufen Bücher, hören Podcasts und folgen Gurus, die ihnen versprechen, dass positive Affirmationen ihr Leben verändern werden. Ich habe sogar mal eine Klientin gehabt, die mit positiven Affirmationen ihren Krebs heilen wollte. Das hat leider nicht geklappt auch wenn ich es ihr von Herzen gegönnt hätte. Also – warum funktioniert es dann bei den meisten von uns nicht? Ich denke positiv also bin ich oder … Positive Denken ist an sich überhaupt nichts negatives. Aber, wenn Affirmationen wirklich so kraftvoll wären, müsste die Welt dann nicht voller reicher, selbstbewusster, erfolgreicher Menschen sein? Es ist doch so einfach! Oder doch nicht? Wir leben in einer Zeit in der Angststörungen und Depressionen auf einem Allzeithoch sind. Kann man dieses Problem nicht einfach mit Affirmationen lösen? Ich würde sagen nein, denn Affirmationen haben ein fundamentales Problem: Sie versuchen gegen etwas anzukämpfen, das viel mächtiger ist als bewusste Worte. Sie kämpfen gegen deine unbewussten Überzeugungen und die machen 95% deiner Gedanken aus! Der innere Kritiker als Hintergrundrauschen… Und das ist es nicht allein. Während du vor dem Spiegel stehst und dir sagst "Ich bin wertvoll. Ich ziehe Fülle an wie ein Magnet.“, läuft in deinem Unterbewusstsein ein ganz anderes Programm ab. Da ist deine innere Stimme, die flüstert: "Das ist doch Blödsinn. Du weißt genau, dass du wertlos bist. Das wird sich auch niemals ändern.“ Diese innere Stimme meint es eigentlich gut mit dir. Sie ist zu einer Zeit entstanden, als du dich schützen musstest. Als es wichtig war deinen Selbstwert zu verstecken, denn wann immer er sich gezeigt hat, wurde er klein gemacht. Deine unbewusste, innere Stimme ist ein Überlebensmechanismus und den nimmt das Gehirn um einiges ernster, als deine bewussten Affirmationen. Wenn du also als Kind oft kritisiert wurdest, entwickelte dein Gehirn eine innere Stimme, die dich schon vorher warnt: "Pass auf, mach keinen Fehler, sonst wirst du wieder abgelehnt.“ Und damit gehst du nicht auf Erfolgskurs, sondern bleibst bei dem was dir vertraut ist. Positive Affirmationen sind zum scheitern verurteilt … Versuche einmal zwei Menschen gleichzeitig zu zuhören. Der eine macht dir Komplimente aber auf der anderen Seite steht einer der dir erzählt was alles nicht mit dir stimmt. Dein Gehirn wird sich nicht auf den Menschen der dir Komplimente macht (deine Affirmation) konzentrieren können. Genauso übertönen deine unbewussten Glaubenssätze (der Mensch der dir erzählt was alles nicht stimmt) die bewussten positiven Worte. Und es kommt noch etwas hinzu. Häufig sind die Affirmationen so weit von dem entfernt, was du unbewusst über dich glaubst, dass dein Unterbewusstsein noch einen Schritt weiter geht - du gehst volle Kanne, unbewusst in den Widerstand. Dein Gehirn denkt: "Das stimmt doch alles nicht, da muss ich gegen arbeiten.“ und verstärkt die negativen Gedanken noch mehr. Und das hier passiert wirklich in deinem Kopf… Weist du wie viele Gedanken pro Tag dir durch den Kopf rauschen? Es gibt wissenschaftliche Schätzungen, dass es 70.000 oder sogar mehr Gedanken pro Tag sind, also dem Tagesanteil an dem du wach bist. Der Großteil davon, nämlich 95%, sind völlig unbewusst. Wenn du das in Zeit umrechnest - sagen wir 16 Stunden am Tag wach bist und Gedanken hast und 8 Stunden schläfst. Dann wären das bei 16 Stunden, 4375 Gedanken pro Stunde und 72 Gedanken pro Minute! Das bedeutet, dass du 69 Gedanken unbewusst denkst und nur 3 Gedanken dein Bewusstsein erreichen! Also für mich macht es total Sinn, dass das nicht funktionieren kann. Denn diese 69 unbewussten Gedanken bestimmen: Wie du dich fühlst Welche Entscheidungen du triffst Wie du auf andere wirkst Was du für möglich hältst Solange du also diese unbewussten Programme nicht erkennst und veränderst, bleiben Affirmationen Kosmetik an der Oberfläche. Es nützt nix, du musst dir bewusst werden… Bevor du also irgendetwas verändern kannst, musst du erst einmal merken, was wirklich in deinem Kopf passiert. Das bedeutet: Werde zum Beobachter deiner Gedanken. Hast du schon einmal versucht eine Minute lang alle deine Gedanken zu beobachten? Ich sage dir es ist gar nicht so einfach. Wenn man das aber über und mehrmals am Tag macht, dann kommt man sich richtig gut die Schliche. Man kann sich auch am Tag immer wieder bewusst machen, welche innere Stimme da gerade spricht. Wer redet da, wenn ich einen Fehler mache, oder was habe ich gerade gedacht bevor dieses Gefühl hoch gekommen ist, dass ich jetzt spüre. Du musst nicht gleich zum Meditationsprofi werden, das fällt den meisten von uns eh super schwer, es hilft schon mehrmals am Tag inne zu halten und sich ganz bewusst wahr zu nehmen. Wie fühle ich mich jetzt gerade? Welche Gedanken gegen mir durch den Kopf? Was war gerade vorher los? Mit wem habe ich gesprochen, an wen habe ich gedacht? Was hat dieses Gefühl in mir ausgelöst. Wann habe ich mich das letzte Mal so gefühlt wie jetzt gerade und wann das Mal davor, und davor etc. Erkenne die Muster. Mit etwas Übung fängst du an Muster zu erkennen. Immer dann wenn ich auf diese Situation, solche einen Menschen etc. treffe, dann wird meine innere Stimme besonders laut, löst ein Gefühl aus und lässt mich so handeln oder das sagen. Hinterfrage die Herkunft deiner Gedanken. Wer spricht da eigentlich? Häufig sind es nämlich nicht einmal die eigenen Gedanken, die wir denken. Es sind verinnerlichte Worte/Sätze und Botschaften von Eltern, Lehrern, aus den Medien die wir konsumieren oder anderen wichtigen Menschen aus der Vergangenheit. Wenn Affirmationen nicht helfen… Es gibt, so blöd das auch ist, keine Schablone die auf alle passt. Deshalb gibt es eben auch Leute bei denen Affirmationen helfen. Bei den Meisten aber eben nicht. Anders gesagt, jeder Topf hat einen Deckel, du musst deinen passenden Deckel finden. Und dafür kann es sein, dass du… Deine innere kritische Stimme erst einmal kennen lernen musst und dir bewusst machen musst: Es ist nur ein alter Schutzmechanismus, den ich heute nicht mehr brauche. Wenn dir das bewusst ist, kannst du Wege finden um diesen Schutzmechanismus aufzuheben. Hier kann bspw. Hypnose helfen. Durch das Beobachten deiner Gedanken nimmst du wahr: Wenn du selber negativ mit dir sprichst. Hinterfrage das: „Stimmt das wirklich, dass ich zu blöd bin um erfolgreich zu sein? Stimmt es wirklich, dass ich nichts wert bin.“ Frage dich, was würde ich einer guten Freundin sagen, die so über sich redet. Und dann sage dir selber genau das. Bleibe realistisch: Zerlege deine Ziele in erreichbare Etappen. Es bringt nichts sich vorzustellen 1Mio Euro auf dem Konto zu haben, wenn du denkst, dass 100 Euro total viel Geld ist. Gedanken führen zu Handlungen und Handlungen zu neuen Gedanken: Nimm dich bewusst wahr und lerne kennen wie du handelst. Wenn du dich selber erkennst, dann handele bewusst anders. Und keine Sorge, wenn es erst einmal nicht klappt, denke daran, laufen musstest du auch erst lernen! Übung mach die Meisterin. Fazit... Du siehst, echte Veränderung im Erwachsenenalter braucht mehr als das nachplappern positiver Sätze. Es braucht Bewusstsein, Mut, die Bereitschaft sich selber gegenüber ehrlich zu sein, Verantwortung zu übernehmen und sich den eigenen Denkmustern zu stellen. Es erfordert Hingabe an dich selber und ist ein wahrer Akt der Selbstliebe. Denn wenn du dich wirklich verstehst, deine Muster durchschaut und deine wahre Innere Stimme deutlich von den Stimmen der anderen unterscheiden kannst, dann klappt es auch mit einer zusätzlichen Verstärkung durch positive Affirmationen, gepaart mit Gefühlen und Visionen deiner Zukunft, so wie du sie wirklich willst.




